Konzertprogramme Theatrum Affectuum

Concerti Napoletani – Virtuose Musik des 18.Jahrhunderts aus Neapel

Konzert in der reformierten Kirche zu Bargebur am 11.November 2006 um 17 Uhr

Alessandro Scarlatti (1660 – 1725)
Sonata XXIII, Do maggiore, per flauto, due violini e bassi.
Adagio – Fuga – Adagio – Allegro

Nicola Porpora (1686 -1768)
Concerto II, Do maggiore, per due violini e basso continuo.
Adagio – Allegro – Affetuoso – Allegro

Alessandro Scarlatti
Sonata VII, Re maggiore, per flauto, due violini e bassi.
Allegro – Adagio – Fuga – Largo – Allegro

Alessandro Scarlatti
Toccata per Cembalo o Organo in A
(con Partita alla Lombardia e Fuga)

Francesco Mancini (1672 -1737)
Sonata quarta, la minore per flauto e basso continuo.
Spirituoso – Largo – Allegro (molto) – Largo – Allegro spiccato

Francesco Mancini
Sonata XVII, la minore, per flauto, due violini e bassi.
Allegro – Andante – Spirituoso – Largo – Allegro

Text zum Programm
Die süditalienische Stadt Neapel war eines der größten europäischen Kulturzentren vom 16. bis ins 18. Jahrhundert. Wissenschaft, Philosophie, Literatur, bildende Kunst und vor allem die Musik kamen hier zu großer Blüte. Am Ende dieser Periode liegt die Schaffenszeit der Komponisten dieses Konzertprogramms: Alessandro Scarlatti, Nicola Porpora und Francesco Mancini. Die Dramatik und Noblesse zugleich, die ihre Musik ausmacht, ist vor allem auf den großen Stellenwert der Musik und der Künste überhaupt in aristokratischen Kreisen zurückzuführen. Im Zuge des Humanismus wird Musik wieder dem Bildungskanon angegliedert und durch Neapels Wohlstand unter spanischer Krone (1503-1734) können angesehene Komponisten am Hof angestellt werden und somit das kulturelle Leben stimulieren. Die königliche Kapelle konnte sich eine große Anzahl fest angestellter Musiker halten, der Standard lag im 17.Jahrhundert bei 26 Sängern und 12 Instrumentalisten, zu Zeiten des maestro Alessandro Scarlatti waren neben maestro und vice-maestro drei Organisten, 19 Choristen, 12 Streicher und ein Harfenist angestellt. Die zentralen Aufgaben der königlichen Kapelle waren weniger wie im 16. Jahrhundert die Aufführung kirchlicher Figuralmusik, sondern hauptsächlich Opernaufführungen im königlichen Palast und in den städtischen Theatern. Die Oper ist auch das zentrale Gebiet des kompositorischen Schaffens der Komponisten dieses Programms.
Der Grund, warum sich Neapel stilistisch so stark von anderen musikalischen Zentren unterscheidet, liegt wahrscheinlich darin, dass es wie keine andere Stadt die Einflüsse aus dem Osten, aus dem italienischen Norden und aus Spanien absorbieren konnte. Das instrumentale Repertoire der Komponisten steht also unter dem Stern der Oper. Typisch sind rasche dramatische Wechsel, ausladende Kantilenen und objektivierende musikalische Sätze in Form der gelehrten neapolitanischen kontrapunktischen Kunst.
Die Concerti Napolitani, die Sammlung von 24 Konzerten für Blockflöte, Streicher und basso continuo aus dem Jahre 1725, aus dem drei Werke des Programms stammen, sind wegen ihrer ungewöhnlichen Besetzung äußerst selten zu hörende musikalische Leckerbissen. Nicht zuletzt wegen der oben beschriebenen musikalisch-technischen Merkmale, sondern vor allem durch ihre Kombination von orchestraler Schreibweise auf der einen und solistisch-virtuoser Textur auf der anderen Seite sind sie zu Recht als nicht inszenierte Opern anzusehen.